DER TOXISCHE KREISLAUF

 

Der Ausstieg aus einer toxischen Beziehung fällt aus unterschiedlichen Gründen schwer. Einer der zentralen Faktoren ist der sogenannte toxische Kreislauf. Darunter versteht man eine wiederkehrende Beziehungsdynamik, die sich in mehrere Phasen unterteilt. Mit jedem erneuten Durchlaufen dieser Phasen verstärkt sich das Muster zunehmend. Die folgende Grafik veranschaulicht, wie ein typischer Kreislauf in einer toxischen Beziehung abläuft:

Die fünf Phasen des psychischen Missbrauchs

In der Regel durchlaufen Betroffene alle fünf Phasen des narzisstischen Missbrauchs. Besonders kritisch wird es am Ende von Phase 5, manchmal auch schon in Phase 4, wenn der sogenannte Hoovering-Prozess einsetzt.

 

Was ist Hoovering?

Hoovering beschreibt das Verhalten der toxischen Person, das Opfer erneut zu verführen – ähnlich einem Staubsauger (engl. Hoover), der alles wieder „einsaugt“. Besonders dann, wenn das Opfer erste Anzeichen von Selbstschutz zeigt, sich distanziert oder den Missbrauch zu erkennen beginnt, wird es wieder zurückgezogen:

 

  • Zunächst durch erneute Idealisierung (Phase 1)
  • Danach erfolgt erneut die Entwertung und Ablehnung
    (Phase 4 oder 5)

Die zerstörerische Wirkung mehrerer Missbrauchszyklen

Mit jedem neuen Durchlauf dieses Kreislaufs wird das Opfer schwächer und wehrloser. Irgendwann fehlen Kraft und Widerstand – es ergibt sich dem toxischen Partner oder System. In dieser Phase beginnen häufig schwerwiegende Folgen:

 

 

  • KPTBS (Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung)
  • Körperliche Symptome durch Dauerstress und Machtmissbrauch
  • In extremen Fällen: Suizid als Folge psychischer Gewalt

Toxischer Missbrauch im Alltag: Wo der Kreislauf überall vorkommt

Toxische Dynamiken in sozialen Beziehungen

Der beschriebene Kreislauf kann in jeder zwischenmenschlichen Beziehung auftreten, zum Beispiel:

 

  • In der Herkunftsfamilie
  • Im Freundeskreis
  • In Vereinen oder Gemeinschaften

Psychischer Missbrauch am Arbeitsplatz: Toxisches Arbeitsumfeld

Besonders perfide ist die Ausprägung im beruflichen Umfeld – oft sehr subtil und schwer erkennbar. Der Ablauf folgt häufig einem wiederkehrenden Muster:

 

  1. Wertschätzung fehlt – der Mitarbeiter fühlt sich ausgenutzt oder gemobbt
  2. Ankündigung des Weggangs – das Unternehmen macht Versprechungen (z.B. Gehaltserhöhung, Bonus, mehr Personal)
  3. Verbleib im Unternehmen – die betroffene Person fühlt sich kurzfristig gesehen
  4. Ernüchterung – die Versprechen werden nicht eingehalten
  5. Selbstzweifel – Betroffene hinterfragen die eigene Leistung, kommen in einen Strudel aus Selbstzweifel und Resignation

Die schleichende Zerstörung des Selbstwerts

Mit der Zeit entwickelt sich ein gefährlicher Kreislauf aus Frustration, Selbstzweifeln und Abhängigkeit:

 

  • Die betroffene Person verliert den Glauben an die eigene Leistungsfähigkeit
  • Ein Jobwechsel scheint unmöglich
  • Der Zustand endet nicht selten in einem Burnout

Das Leben verlangt von uns oft,

dass wir Dinge wegstecken,

für die wir keine Taschen haben.

Unbekannt